Worte der Künstlerin


Irene Haenni
Irène Hänni

Die Begegnung


Begegnungen mit Menschen aber auch mit Situationen des Alltags oder des Besonderen beeinflussen unser Leben. Sie prägen unser Erleben und halten unseren Geist und unsere Wahrnehmung wach.  


Begegnungen können uns erheitern oder vergraulen. Je nach Stimmung, in der wir uns gerade befinden, reagieren wir unterschiedlich auf unser Gegenüber, interpretieren das Erlebte anders.


Begegnungen bedeuten neue Erfahrungen. Begegnungen sind oft überraschend auch oft geplant. Die Begegnung mit einem mir Fremden ist eine andere Herausforderung als die Begegnung mit einem mir vertrauten Freund. Nicht umsonst reagieren wir zunächst vorsichtig, wenn uns bei einem neuen Gegenüber eine andere Kultur begegnet. Sei das eine andere Gesprächskultur, eine andere Herkunft oder auch nur eine andere Generation.


Mit dem Fortschreiten der Informatisierung mit dem Aufkommen der Smartphones scheinen Begegnungen mit Fremden seltener zu werden. Natürlich nicht im virtuellen Bereich, dafür im Alltag. Nicht selten fällt einem auf, dass man sich im Zug nicht mehr unterhält. Fremde anzusprechen, ist beinahe tabu.

Dieser Vereinzelung versuche ich mit meinen Bildern entgegenzuwirken. Die Begegnung mit meinen Bildern soll die Sinne schärfen. Der Betrachter soll sie immer wieder anschauen können und die Möglichkeit haben, immer wieder etwas anderes darin zu entdecken. Er soll den Wechsel der Perspektiven am eigenen Leib erfahren. Soll selber entdecken, dass es verschiedene Möglichkeiten der Wahrnehmung und der Begegnung mit sich selbst und Anderen gibt.

Irène Hänni, Februar 2015


Irene Haenni
Irène Hänni

Gedanken in Form von Text oder Bild faszinieren mich. Ich habe mich vor vielen Jahren mit Philosophie und Sprachforschung beschäftigt, mit der Entstehung der Zahlen und der Schrift. Auch die Kommunikation an sich sowohl in der Kunst wie auch im Alltäglichen ist ein Feld, das mich immer wieder inspiriert.

 

Wie funktioniert das Verstehen, wie denken wir. Warum kann dasselbe Vorkommnis, dieselbe Tatsache unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert werden? Warum kann dasselbe Bild für unterschiedliche Betrachter Unterschiedliches bedeuten?

 

Ein zeitgemässes Arbeitsinstrument, um solche Fragen zu bearbeiten, ist für mich der Computer. Allerdings nicht im reinen Einsatz als Maschine, sondern durch manuelle Steuerung. Mich interessiert nicht primär die Programmierung von Vorgängen und das sich daraus ergebende Resultat. Sondern ich erforsche mit der Maschine durch meine individuellen Entscheide gesteuert das Feld ihres Einsatzes. Der Zufall ist immer ein Teil des Prozesses. Die Grundlage dieses Schaffens bildet allerdings immer ein logisches Gerüst, ein Konzept.

 

Irène Hänni, Juli 2011