Magisches Quadrat 1-9 (zwischen Wachstum und Verfall)
2008
Magische Quadrate sind Glückssymbole. Glück bedeutet aber für alle Menschen Unterschiedliches. Deswegen habe ich die Magischen Quadrate wieder aufgenommen und nun mit bearbeiteten Fotografien hinterlegt.
Dieses Quadrat steht im Konflikt zwischen Natur und Technik, zwischen vitalstem Leben und verfall. Die Zahlzeichen zeigen Elemente von Pflanzen, hauptsächlich Blüten, der quadratische Hintergrund zeigt ein zusammenhängendes Detail aus einer ausgebrannnten Lok. Nicht nur die Natur ist schön anzusehen, sondern auch die Auflösung einer Metallschicht kann sehr interessante und durchaus schöne Aspekte haben, auch wenn das etwas unheimlich und morbide wirkt.
Es gibt eine Zeit der höchsten Blüte für die Natur aber auch die Technik oder wie 2008 in der Wirtschaft - und es gibt eine Zeit der Auflösung, der Zersetzung; der Zahn der Zeit fordert seinen Tribut von der Natur aber auch im Wirtschaftskreislauf oder von technischen Erzeugnissen, natürlich auch in der Wissenschaft.
Zahlen von "1" bis "32"
2005
Die transparenten, einander durchdringenden Zahlzeichen symbolisieren einen Lebensweg, die Zeichen stehen für 32 Lebensjahre.
Die 11 unterschiedlichen Textpassagen aus philosophischen Schriften, alle von unterschiedlichen Autoren, (Zyklus von 11 Bildern), verweisen auf Fragestelllungen und Gedankengänge, die in verschiedenen Abschnitten dieser 32 Jahre ein Thema waren. Die Hintergrundfarbe habe ich gewählt im Hinblick auf die Bedeutung der Farben (Thema des Textfragments) gemäss Eva Heller: Wie Farben wirken (siehe Literaturhinweise).
Ein Beispiel: Ein Bild wurde im Hintergrund mit Kobalblau eingefärbt, weil es einen Text von J.-J. Rousseau über die Demokratie enthält. Kobaltblau war im Mittelalter die Farbe des Königs, also desjenigen, der das Sagen hatte. In der Demokratie ist das Volk "König".
Aus folgenden Texten habe ich zitiert:
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesung über die Ästhetik
- Jürgen Habermas: Nachmetaphysisches Denken
- René Descartes: Meditationes de Prima Philosophia
- Martin Heidegger: Sein und Zeit
- Jean-Jacques Rousseau: Vom Gesellschaftsvertrag
- Aristoteles: Die Nikomachische Ethik
- Immanuel Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
- Max Scheler: Die Stellung des Menschen im Kosmos
- Sigmund Freud : Abriss der Psychoanalyse
- Sören Kierkegaard: Abschliessende Unwissenschaftliche Nachschrift zu den
philosophischen Brocken
- Jean-Paul Sartre: Der Existenzialismus ist ein Humanismus.
(nähere Infos zu den Texten siehe Literaturhinweise)
Die vier unterschiedlichen Farbend der Zahlzeichen deuten auf die Perioden der Erneuerung des Organismus hin. Die weissen Randlinien der Computer-Kalligraphien nehmen das Licht des Papiers auf. Gleichzeitig nimmt der jeweils zur Bildmitte hin flatternde Text die Struktur der Sichbacksten-Wand auf, vor der die Bilder zum ersten Mal präsentiert wurden und verschwimmt nach aussen ins Weiss des Papiers.
Zahlen von "17" bis "32"
ab 2006
Wie bei den Zahlen von „1“ bis „16“ (siehe unten) habe ich die Zahlzeichen transparent gehalten und ange-schnitten. Der Rhythmuswechsel hier wurde durch eine grössere Variation bei den Zahlzeichen und stärkere Verdichtungen oder grössere Abstände betont.
Zahlen von "1" bis "16"
ab 2002
Transparenzen ermöglichen das Dahinter-Liegende zu erfassen. Grössere Zusammenhänge können also vor allem hierdurch dargestellt werden.
Diese Bilder zeigen einen Ausschnitt aus dem Universum. Deshalb sind die Zahlzeichen alle angeschnitten, denn mit Zählen kann man überall beginnen und wieder aufhören. Die unterschiedlichen Farben deuten auf unterschiedliche Ding-Welten hin.
Magische Quadrate
1995-2004
Kalligraphie, Schriftbilder/Zeichensprachen und die Entstehung der Zahlen (13) hatten mich schon länger fasziniert. Die Zeichentheorie von Umberto Eco (14) und (15) hat mich fest in ihren Bann gezogen.
Unsere Kommunikation, auch unsere Zeichenwelt basieren auf Konventionen, die aber immer wieder durchbrochen und dadurch verändert, verschoben, weiterentwickelt werden. Genau dieser Konventionsbruch interessiert mich. Bei der Entstehung der Zahlzeichen hatten früher Nachbarvölker zum Teil ganz unterschiedliche oder aber auch sehr ähnliche Zeichensprachen. Auf der ganzen Welt sind unterschiedliche Schriftbilder entstanden, die jedoch alle einer ganz bestimmten ästhetischen
Formensprache verpflichtet sind. Ich bin der Meinung,
dass es eine universelle Formensprache der Menschheit gibt, die sich je nach kultureller Herkunft eher in diese oder jene Richtung bewegt. All diesen Gedanken spürte ich nach mit dem folgenden Projekt:
In einem Zeichenprogramm fand ich eine interessante Möglichkeit, Zahlen (oder auch Text) in einem spielerischen aber aufwendigen Prozess umzuformen zu neuartigen Zeichen. Magische Quadrate sind Glückssymbole und eine spannende mathematische Spielerei. Deshalb war mir klar, dass ich meine Computer-Kalligrafien in dieser Form anordnen wollte. Zur reinen Mathematik des Entstehungsprozesses gehört auch ein Farbsystem. So malte ich einen 60-teiligen qualitativen Farbkreis und wählte 12 Farben im gleichen Abstand daraus, die ich alle miteinander kombinierte. Ich erstellte Farbvariationen von 9-er, 16-er und 25-er Quadraten und realisierte einige davon als Serigrafien .
Mit der Zeit druckte ich auch mehrere Zeichen in das gleiche Quadrat, wodurch ein interessantes Formen- und Farbenspiel entstand .
Die Zahl und ihre Bedeutung
1991-1995
Aufgrund der in der Literatur überlieferten Bedeutung der Zahlen von 1-9 (16) entstanden durch geometrische
Manipulation an den einzelnen Zahlzeichen (Drehung, Spiegelung, Konstruktion aufgrund geometrischer Figuren) neue Zahlenbilder.
Es handelt sich also um den Versuch, die Bedeutung der einzelnen Zahl aus der oben genannten Literatur in eine geometrische Aktion am Zahlzeichen zu übersetzen:
Alle Zahlzeichen, bis auf die Neun, wurden mit Zirkel und Lineal konstruiert, dann von Hand reingezeichnet und in Kleinstauflagen als Serigrafien realisiert. Die Neun wurde nochmals am Computer überarbeitet.
Chaos und Ordnung
1991-1994
Was passiert, wenn eine abwechselnd schwarz und weiss abgetragene, je um 1 mm wachsende Strecke (also eine „Zahlenreihe“) zielgerichtet von links nach rechts (männliches Prinzip) oder umfassend, einmal von links nach rechts und dann von rechts nach links (weibliches Prinzip) zu einem Gesamtbild wächst? Über die Literatur zur Chaostheorie kam ich zu dieser Idee.